Warum sind Sie Unternehmer geworden?

Als Arbeitnehmer muss man sich in der Regel mit begrenzten Möglichkeiten auseinandersetzen, als Unternehmer mit begrenzten Unmöglichkeiten. Wenn jemand sagt, etwas sei unmöglich, lässt das in der Regel ebenso so viele Rückschlüsse auf die Person, die das sagt, zu, wie über die Sache selbst. Als Unternehmer gibt's nur noch einen Chef: den Markt. Vielleicht gibt's noch einen zweiten Chef, abhängig davon, wie klug man sich seinen Lebenspartner gesucht hat... aber damit hat es sich dann meist.

Wenn nichts unmöglich wäre, was wäre Ihr Traumjob?

Ich habe meinen unmöglichen Traumjob. Traumjob, weil ich mir keine vielfältigere und spannendere Tätigkeit vorstellen kann. Unmöglich darum, weil eine Karriere wie die meine so nicht planbar ist. Als ich vor 20 Jahren als Jurist zum Film wollte, fand das die Mehrheit der damaligen Schweizer Produ- zenten sehr suspekt. Einzig die 1947 gegründete Condor Films bot mir eine Stelle an. In meiner zweiten Arbeitswoche sagte mir ein alter Hase, er gebe mir

ein bild von Kristian Widmer

bei uns um Know-how kom- biniert mit Talent und Einsatz- freude. Und auch in der Komm-unikationsbranche gilt, vielleicht noch stärker als anderswo: Was einen gross gemacht hat, macht viele Leute am Ende ihrer Karriere auch wieder klein.

An welches Ereignis an Ihrer Karriere erinnern Sie sich am liebsten?

An den Moment, wo mir meine bessere Hälfte mitten auf einem Filmset in Boston mit dem grossen John Malkovich ins Ohr geflüstert hat, sie würde mich auch als Schafhirte lieben.

Was war Ihr grösster Fehlentscheid?

Es gab am Anfang meiner Karriere eine Episode, bei der mich ein Geschäftspartner durch subtile Orchestrierung meines Umfeldes dazu brachte, nach den Sternen greifen zu wollen, anstatt mich wie bis anhin an den Sternen zu orientieren.

Welche Persönlichkeit hätten Sie schon immer gerne einmal getroffen?

Da man durch die Wieder- sprüchlichkeiten unseres Daseins nie wirklich sicher sein kann, wessen Feinde man im Himmel oder in der Hölle einst persönlich

maximal zwei Jahre. Dann würde ich von der Branche wieder ausgespuckt. Mittlerweile sind zwanzig Jahre vergangen und ich lerne noch immer jeden Tag dazu. Wir transportieren Emotionen und Informationen und bewegen damit Menschen. Das Medium Film, das wir als Transportmittel dazu einsetzen, ist eng mit Wahrnehmungspsychologie und Ver- haltensmustern verknüpft. Diese Komp-lexität ist hochspannend. Auch weil die meisten Regisseure nicht so wie Lessing geboren worden sind: Lessing war der Meinung, Emotionalität könne nur mit absoluter Rationalität geschaffen werden. Viele Kreative sehen das genau umgekehrt. Ich bin jemand, der von der rationalen Welt und der emotionalen Welt gleichermassen fasziniert ist, und darum schmerzfrei

Prioritäten setzen und Aussensichten einnehmen kann. Kreation braucht Freiräume, aber die Grenzen dieser Freiräume muss jemand fest- legen. Das kann ich, das tue ich und ich tue es gerne. Kunst manifestiert sich in der Reduktion, nicht in der Masslosigkeit.

Was mögen Sie nicht an Ihrer Branche?

Viele Berufsbezeichnungen im Medienzirkus sind nicht geschützt. Darum begegnen einem im Projektgeschäft immer wieder Zeit- genossen, bei denen Know-how und Erfahrung nicht im Gleichklang mit dem Ego stehen. Es gibt Fliegenpilze, die als Trüffel verkleidet daherkommen. Aber nach zwanzig Jahren im Geschäft sind Auge und Sinne geschärft. Am Ende des Tages geht es auch

kennenlernen könnte, nenne ich lieber keinen Namen.

Worüber können Sie sich ärgern?

Über schlechte Filme.

Wie erholen Sie sich vom Stress?

Mit guten Filmen.

Was zeichnet die Schweizer Wirtschaft aus?

Schweizer KMUs sind im europäischen Vergleich überdurchschnittlich innovativ. Vielen gelingt es, in internationalen Nischenmärken erfolgreich Benchmarks zu setzen. Ich staune immer wieder über die Anzahl heimischer heimlicher Riesen.

Was wünschen Sie sich für die Schweiz?

Einen ausgewogenen Mix aus Selbst- sicherheit und der Einsicht, dass nichts selbstverständlich ist.